Die Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik

Frauenpower!

Ein Festival Neuer Musik mit teilweise 60% Werken von Frauen? Kann es das geben? Oder sind das noch Zukunftsvisionen. Die Intendantin und Komponistin Clara Iannotta will nicht auf die Zukunft warten und gestaltet ihr Programm zu den “Bludenzer Tagen zeitgemäßer Musik” nach ihrem eigenen, paritätischen Gesellschaftsideal. Dabei will sie aber vor allem neue, gute und wirklich innovative Werke und Künstler präsentieren. Die Komponistin Carola Bauckholt teilt diese Ziele und kümmert sich innerhalb der Masterclass um den Nachwuchs.

Steckbriefe zu den Protagonistinnen:
Clara Iannotta

Clara Iannotta wurde 1983 in Rom geboren. Sie studierte in Rom Flöte, dann Komposition in Mailand, Paris und an der Harvard Universität. Außerdem wurde sie 2013 in das Berliner Künstlerprogramm des DAAD aufgenommen.

Ihre Werke erklingen auf sämtlichen Festivals in Europa wie den Wittener Tagen für Neue Kammermusik, Festival d’Automne, ECLAT-Festival Stuttgart und dem Internationalen Musikinstitut Darmstadt. 2018 gewann sie den Hindemith-Preis. Seit 2014 ist sie Intendantin der Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik und setzt sich dort für eine Parität der Geschlechter unter den Komponisten ein. Sie lebt in Berlin.

Es ist ihr ein Anliegen, frischen Wind in die Neue-Musik-Szene zu bringen. Ihr Kompositionsstil bedient sich feinsinnigen Klängen und Geräuschen, die nicht unbedingt von herkömmlichen Instrumenten stammen müssen. Sie versucht damit ein musikalisches Abbild eines Bildes oder Eindruckes zu erzeugen. So schafft sie es die Titel mit teilweise skurilen Bildern klanglich so genau abzubilden, dass man auch ohne den Titel zu kennen auf diesen kommen könnte. Beispiele: “dead wasps in the jam-jar“, “paw-marks in wet cement”, “The people here go mad. They blame the wind.” Auch arbeitet sie mit Rauminstallationen, wie bei ihrem Projekt: “skull ark, upturned with no mast”

       “Ich denke, es gab keinen einzigen Moment in meinem Leben, in dem ich nicht besessen von etwas war. Das ist beinahe die Art und Weise, wie ich bin. Ich bin besessen von Details. […] So versuche ich darin einzutauchen, dahinter zu kommen, es zu verstehen, bis es eine totale Besessenheit wird.

mehr Infos unter: http://claraiannotta.com/

Prof. Carola Bauckholt
Carola Bauckholt ist eine Komponistin, die seit fast vierzig Jahren international aktiv ist. Sie hat ihre Karriere begonnen, als Frauen die große Ausnahme waren. Mauricio Kagel nahm Carola Bauckholt mit 19 Jahren in seine Imrovisations- und Interpretenklasse in Köln auf. Nach dem Studium gewann sie zahlreiche Stipendien und Preise wie den Deutschen Musikautorenpreis der GEMA in der Kategorie Experimentelle Musik 2010. 1985 war sie Mitbegründerin des Thürmchen Verlages. Seit 2015 ist sie Professorin für Komposition mit Schwerpunkt Neues Musiktheater an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz.
Carola Bauckholts Werke beinhalten oft Elemente des Musiktheaters. Geräusche und Klänge des Alltags prägen ihre Musik, beispielsweise in ihren Werken “Atempause” oder “Zugvögel”.
 
      „Es gehören ja immer zwei dazu. Und es liegt auch ein Anteil an den Frauen, dass sie nicht straight genug sind, […] oder sagen wir mal, einen Bruchteil einer Sekunde zu vorsichtig.”