Die Wiener Klassik

Marianne Martinez (1744–1812) – eine  spanisch-neapolitanische Wienerin setzt sich durch

Musikalisches Talent, den Wiener Hofdichter Pietro Metastasio und Joseph Haydn unter einem Dach, dazu einen Vater, der von der Kaiserin Maria Theresia selbst zum Ritter geschlagen wurde: Mehr brauchte man wohl nicht als Mädchen des 18. Jahrhunderts um eine gute Ausbildung und eine Art musikalische Karriere zu haben. Doch Marianne Martinez hatte sie – als Sängerin und Komponistin. Sie erhielt eine umfassende Bildung in mehreren Sprachen Musiktheorieunterricht bei dem Komponisten Porpora, einem Meister der virtuosen italienischen Arie. Ihre Gesangsübungen begleitete niemand anderer als der  jungen Haydn. Mit gerade einmal 17 Jahren wurde eine ihrer Messen an der Wiener Hofkirche St. Michael aufgeführt. Etwa zehn Jahre später war sie Mitglied der „Accademia Filarmonica“ in Bologna, sowie in die Wiener „Tonkünstler-Societät“, was damals eine hohe Auszeichnung war. Hier erkannte man ihren “Adel des Ausdrucks” oder “erstaunliche Präzision” an. Ihre Kompositionen schrieb sie im italienischen Stil, vor allem die Vokalkompositionen. Außerdem scheute sei keine großen Werke: Dramatische Oratorien, Messen und Kantaten, eine Sinfonie, zwei Klavierkonzerte, und drei Klaviersonaten sind überliefert. Allerdings schafften es nur zwei Klaviersonaten ihres gesamten Schaffens in den Druck.

 

Theresia von Paradis (1759–1824) – eine blinde Virtuosin mischt Europa auf

Seit ihrem vierten Lebensjahr war die Welt für das einzige Kind des
Wiener Hofbeamten-Ehepaars Paradis schwarz. Ihre Blindheit füllte sie selbst mit farbigen Klängen: So lernte sie Singen und das Klavierspielen bei der Wiener Musikerprominenz wie Leopold Kotzeluch – und das mit größtem Erfolg. Antonio Salieri unterwies sie in dramatischer Komposition. Dessen Rivale Wolfgang Amadeus Mozart lernte sie in Salzburg auf ihrer großen dreijährigen Europatournee kennen. Dieser war so angetan von Theresia, dass er ihr das Klavierkonzert KV 456 schrieb. Weitere Stationen der Tournee waren München, Paris, London, Berlin, Prag: In all diesen Städten machte sie sich als junge 24-Jährige bei den vornehmen Gesellschaften
bekannt und beliebt.

Nach ihrer Rückkehr scheute sie öffentliche Auftritte und das Virtuosentum und widmete sich vermehrt der Komposition. Kunstlieder, zwei Klavierkonzerte, mehrere Klavierwerke, Opern und Singspiele, die mit Erfolg in Wien und Prag aufgeführt wurden, brachte sie zu Papier. Sie wollte zeitlebens nie als Attraktion gelten und gab sich sogar entschuldigend für ihre kompositorische Tätigkeit. Ihr Antrieb war die Musik selbst:

„Ich übte mich in der Musik mehr aus eigenem Hange… als um damit Aufsehen zu machen.“

Wien zur Zeit der Aufklärung

„Uns zu gefallen, uns nützlich zu sein, uns zu lieben und zu schätzen, zu erziehen, wenn wir jung sind, zu umsorgen, wenn wir erwachsen sind, zu beraten, zu trösten, unser Leben einfach und angenehm zu machen – das sind die Pflichten der Frauen aller Zeiten,...“ Jean-Jacques Rousseau, ein Philosoph der Aufklärung, der in seinen Werken Freiheit und Gleichheit des Individuums fordert, propagiert auch das Motto „zurück zur Natur“: Für Frauen bedeutet dies in seinen Augen nicht Gleichheit, sondern sich dem Mann unterzuordnen. Den Frauen wird nach dem aufklärerischen Gedankengut immerhin Bildung zugestanden, doch nur in einem sehr begrenzten Rahmen mit dem Zweck dem Mann zu gefallen. Echte Studien gelten als unnötig und unnütz. Doch wie immer bestätigt die Ausnahme die Regel.

Sicilienne

Jacqueline du Pré

Klangbeispiele

La tempesta, Cantata per soprano e orchestra, Allegro con spirito

Madelyn Rene Monti, Carla Del Frate